Linux-Datensicherungskonzepte

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Datensicherung, Backup, was ist das?

Jeder der schon mal das nette „klack-klack-klack“ aus Richtung Festplatte gehört hat, wird wissen, daß ein Backup genau das ist was man im Ernstfall womöglich nicht hat oder was schon wieder Wochen und Monate zurückliegt. Um unnötige Adrenalinstöße zu vermeiden ist es empfehlenswert, sich rechtzeitig Gedanken über Backup-Strategien und Konzepte zu machen. Dieser Artikel soll ein wenig helfen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Warum Backups?

Rechner sind nicht unfehlbar und Hardware neigt nach Murphy dazu in den unpassendsten Momenten auszufallen. Um neben dem materiellen Schaden durch Hardwareausfall nicht noch einen viel größeren Schaden durch Datenverlust zu erleiden, empfiehlt es sich daher regelmäßig Sicherungskopien von seinen Daten zu ziehen. Auch der Linux-Heimanwender tut gut daran, sich mit Datensicherung auseinanderzusetzen, denn nichts ist ärgerlicher, als ein Datenverlust z.B. einer Doktorarbeit einen Tag vor dem Abgabetermin und keine Chance, die Daten wiederherzustellen.

[Bearbeiten] Was soll ich alles sichern?

Ein Fachbuch schreibt hierzu schlicht „alles“. Das ist jedoch für Heimanwender meist illusorisch, denn die Hardware-Hersteller verkaufen zwar Festplatten mit dreistelligen Speichergrößen im Gigabyte-Bereich für einen Spottpreis, aber Datensicherungs-Hardware und Medien sind oft sehr viel teurer. Der Heimanwender kann sich somit überlegen, welche Daten für ihn wirklich sicherungswürdig sind. Beispielsweise fällt bei mir das /home-Verzeichnis darunter, nicht jedoch Applikationen die ich z.B. im Katastrophenfall durch Aufspielen meiner Distribution wiederherstellen kann. Natürlich ist das erneute Aufspielen einer Distribution aufwendiger als ein Restore (englisch für „wiederherstellen“ oder „restaurieren“) von einer Komplettsicherung, aber eine solche ist für Heimanwender oft nicht bezahlbar.

[Bearbeiten] Wie soll ich sichern?

Wenn mir klar ist, was ich alles sichern will, dann stellt sich die Frage nach dem wie. Eine Möglichkeit wäre z.B. ein Abbild der /home-Partition als Festplattenimage in einem anderen freien Bereich der Platte (bei 120 GB findet man bestimmt freien Platz) anzulegen. Wer solches tun will sollte aber 2 Dinge bedenken:

  • Eine Sicherungskopie die nicht auf einem aus dem PC entnehmbaren Wechseldatenträger vorhanden ist kann im Katastrophenfall (PC geklaut, Feuer, Blitzschlag) ebenso defekt sein wie die Daten die eigentlich gesichert sein sollten.
  • Plattenimages zu erstellen, bedeutet meist „alle“ Daten einer Platte zu sichern und das kann je nach Größe schon lange dauern.

Eine andere Möglichkeit ist es, sich mit entsprechender Software Archiv-Dateien anzulegen die dann alle Dateien in einer großen Archivdatei enthalten. Hier können z.B. klassiche Werkzeuge wie cpio, tar oder auch afio zum Einsatz kommen. Eine derartige Archivdatei kann dann z.B. auf CD oder DVD gebrannt werden und an einem sicheren Ort aufbewahrt werden.

[Bearbeiten] Was sind Backup-Level?

Gute Sicherungsprogramme oder Backup-Skripte unterstützen sogenannte Backup-Level. Backup-Level können wie folgt definiert werden:

Level 0 – Alles wird gesichert.
Level 1 – Alles was seit dem letzten Backup mit Level 0 geändert wurde wird gesichert.
Level 2 – Alles was seit dem letzten Backup mit Level 1 oder 0 (je nachdem was zuletzt lief) geändert wurde wird gesichert.
Level 3..n – Alles was seit dem letzten Backup mit einem der darüber liegenden Level geändert wurde wird gesichert.

Mit diesen Levels kann man z.B. die Änderungen eines Tages sichern wenn man am Tag 0 eine Level-0-Backup macht und dann an den Tagen 1..n jeweils ein Level-1..n-Backup. Eine andere gerne genutzte Möglichkeit ist, die Level nach einem anderen Schema zu nutzen. Damit kann sichergestellt werden, daß eine Datei nach kurzer Zeit auf mindestens 2 Sicherungsdatenträgern vorhanden ist. Beispiel:

  1. Sonntag: Level 0 Backup.
  2. Montag: Eine neue Datei X wurde angelegt. Nun machen wir einen Level 3 Backup, d.h. die Datei X wird gesichert.
  3. Dienstag: Level 5 Backup, X wird nicht gesichert weil sie ja vom Level 3 schon erwischt wurde.
  4. Mittwoch: Level 1 Backup. Nun wird X wieder gesichert, denn sie wurde nach dem letzten Backup eines Levels mit kleinerer Nummer geändert (hier der Level 0 vom Sonntag).

[Bearbeiten] Was sollte ein Backup-Konzept noch enthalten?

Folgende Dinge sind wichtig für ein Backup-Konzept:

  1. Dokumentation was und wie gesichert wird. Das mag trivial erscheinen, aber manchmal hapert es an den einfachsten Dingen. Vor allem sollte die Doku auch einen Hinweis enthalten wie man im Katastrophenfall wieder an die Daten kommt, denn dann hat man meistens schon einen erhöhten Blutdruck und Adrenalinpegel und ist sehr froh, wenn die Restore-Prozedur gut beschrieben ist.
  2. Sicherungskataloge. Bei häufigen Backups auf z.B. Streamerbändern ist es sehr hilfreich, wenn man ein Katalogsystem hat, welches einem melden kann auf welchem Sicherungsmedium sich eine bestimmte Datei befindet.
  3. Beschriftung der Sicherungsmedien. „Wenn es nicht beschriftet ist, verwende es“ ist ein Leitspruch für Sicherungsmedien, d.h. wenn ein Medium mit der letzten Sicherung nicht beschriftet wurde kann es auch (versehentlich) mit anderen Daten überschrieben werden.
  4. Verifikation der Sicherung: Gerade Bandsicherungen neigen dazu, auch mal fehlerhaft zu sein. Daher sollte man nach Abschluß eines Sicherungslaufes auch überprüfen, ob die Daten auf dem Medium lesbar sind und auch dem entsprechen was gesichert wurde (Compare).
  5. Proben Sie den Ernstfall: Wie gut eine Sicherung wirklich ist merkt man im Ernstfall. Spielen Sie also ruhig mal „Katastrophe“ und überprüfen Sie ob eine Datenwiederherstellung tatsächlich funktioniert. Dazu müssen Sie nun nicht in Kamikaze-Manier wichtige Daten löschen und wiederherzustellen versuchen, sondern sie können die Daten in einem anderen Verzeichnis wiederherstellen und überprüfen ob alles richtig ist.
  6. Verwenden Sie zum Sichern möglichst eine Infrastruktur die einfach ersetzbar ist. Beispielsweise macht es wenig Sinn, wenn Sie zum Backup ihrer Daten ein relativ exotisches Wechselplattenlaufwerk nutzen. Das mag toll sein solange sie sich nur gegen „versehentliches Löschen“ absichern wollen, aber stellen Sie sich vor, Ihr PC samt dem tollen Laufwerk würde gestohlen werden. Dann müßten Sie zum Wiedereinspielen ihrer Daten erst mal nochmals so ein Laufwerk auftreiben.
  7. Bedenken Sie daß manche Dateien (z.B. SQL-Datenbank-Dateien) nicht einfach kopiert bzw. zurückkopiert werden können ohne die Konsistenz der laufenden Datenbak zu gefährden. Entweder muß die Datenbank zur Sicherung „heruntergefahren“ sein oder man verwendet spezielle Datenbank-Dienstprogramme die normalerweise einen konsistenten „Dump“ (englisch für „Müllhalde“ oder – im Idealfall – „Depot“) der Datenbank erstellen.
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