Erfahrungsbericht Rkoenig

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Mein Umstieg von Windows nach Linux

[Bearbeiten] Einleitung

Im Sommer 2003 tat sich bei meinem Arbeitgeber (einem großen deutschen PC-Hersteller) einiges in Sachen Linux auf dem Desktop. Es wurde sogar ein Mitarbeiter mit Linux-Know-How gesucht der Linux auf Desktop-Systemen vorantreiben soll. Nun, der Job war exakt das was ich mir gewünscht hatte und daher bewarb ich mich intern für diese Stelle. Tja, und nun bin ich offiziell seit Oktober 2003 der "Projekt Manager Linux".

[Bearbeiten] Linux auf meinem Desktop

Als jemand der intern und an unsere Kunden "Linux" verkaufen will/soll/darf war mir klar, daß die Zeiten des fernadminstrierten Windows-Desktops an meinem Arbeitsplatz der Vergangenheit angehörten. Also besorgte ich mir einen Desktop-Rechner mit relativ aktueller Hardware und einer großen Platte, denn es war abzusehen, daß ich viele ISO-Images in meinem Job bevorraten werde.

Meine Wahl der Distribution fiel auf Debian welches ich auch zu Hause seit längerer Zeit einsetze. Natürlich hätte ich auch SuSE oder RedHat oder was auch immer nehmen können, aber Debian gefällt mir persönlich eben am besten und da ich in meinem Beruf sowohl mit SuSE als auch mit RedHat eng zu tun habe fühlt sich dann keiner bevorzugt oder benachteiligt.

Im folgenden nun ein paar Infos wie ich als Linux-Nutzer in einem Windows-basierten Umfeld trotzdem ganz gut lebe.

[Bearbeiten] Mail und News

Mail und Newsgroups sind in meinem Job sehr wichtig. Da ich beides gerne mit nur einem Programm erschlage ist die Anwendung meiner Wahl in diesem Fall Gnus [1].

Die Mail-Strategie unserer Firma hingegen setzt auf Exchange-Server und Outlook als Client.

Um die Verbindung zu schaffen installierte ich fetchmail und procmail. Fetchmail holt mir alle 5 Minuten die neuen Mails per IMAP/SSL vom Exchange Server. Hier mußte der Mailserver-Admin jedoch auch noch manuell konfigurieren, denn per Default lieferte Exchange jede Mail als "multipart" aus, einmal als HTML und dann als Plaintext. Als Gnus-Nutzer ist für mich der zugefügte HTML-Part aber eh nur Ballast, also wurde Exchange hier so konfiguriert, daß ich die Mails im "Originalformat" bekomme.

Mit procmail habe ich einige simple Filterregeln definiert die mir Mails an Mailinglisten (z.B. debian-amd64 oder suse-amd64) automatisch in die passenden Eingangsordern schieben. Außerdem habe ich natürlich mit Spam-Mails zu kämpfen, also bewertet mir bogofilter alle Mails um dann die Einsortierung nach "ham" oder "spam" zu erleichtern. Schließlich gibt es noch eine einfache "whitelist" die bestimmte Mail-Absender bevorzugt behandelt, z.B. erhalten nur Adressen die auf der Whitelist stehen eine "automatische Abwesenheitsmeldung". Damit wird die Bestätigung meiner Mail-Adresse an Spammer vermieden.

Apropos Adressen: Auch mit Gnus habe ich vollen Zugriff auf unser Corporate Directory (dem Mail-Adressverzeichnis), hier nutze ich einfach einen LDAP-Server der die Daten bereitstellt. Und für meine ganz persönlichen "Spezln" habe ich auch noch die BBDB (Big Brother Data Base) eingerichtet, die gibt mir sogar die Möglichkeit, zu jeder Adresse einen individuellen Kommentar einzublenden.

[Bearbeiten] Office-Dokumente

Office-Dokumente schlagen hier häufig per Mail-Attachment auf. Um sie zu lesen und auch zu bearbeiten habe ich OpenOffice.org installiert und kann damit ganz gut leben. Manche "presidents letter" oder Marketing-News im superhyper-corporate-design sieht zwar ein wenig "verhaut" aus, aber um den Inhalt zu lesen reicht es allemal.

Meine eigenen Dokus mache ich lieber mit LaTeX. Das entspricht zwar gar nicht dem Corporate Style Guide, aber ich habe bislang auch noch keine Beschwerden bekommen, eher die nette Frage "schreibst Du das mit dem was ich meine daß Du da verwendest...?" Damit die Kollegen meine Dokumente auch lesen können bekommen diese sie einfach als PDF. Ein weiterer Vorteil von LaTeX ist, daß ich bei wirklich wichtigen Dokus deren Versionen per CVS verwalten kann, d.h. auch ein Zugriff auf frühere Versionen ist jederzeit für mich möglich.

[Bearbeiten] Backup! Backup! Backup!

Eine der Grundregeln die man in 20 Jahren Computerei lernt ist "Festplatten fallen aus". Da mein Desktop sehr viele wichtige Dinge auf der lokalen Festplatte hat war klar, daß ich unbedingt eine Möglichkeit brauche die mir wichtigen Daten zu sichern.

Zu diesem Zweck habe ich ein kleines Skript geschrieben welches die Daten mittels afio auf einen Windows-Netzwerk-Share sichert. Das Skript kennt auch Backup-Level, d.h. ich kann entscheiden ob ich "alles" oder nur "Differenzen" zum letzten höheren Level sichern will. Das ganze läuft per cron-Job, jeden Tag um 17:00 werden die Änderungen des Tages gesichert und Freitag nacht 22:00 wird alles auf den Server geschoben. Wobei "alles" nicht "alles auf meiner Platte" ist sondern nur die Verzeichnisse /home, /etc und /var. Und bestimmte Bereiche (wie z.B. Browser-Cache) werden ebenfalls übergangen. Damit ist gewährleistet, daß das Backup unterhalb von 2GB bleibt, denn mehr geht wegen Beschränkungen im smbfs aktuell nicht. Ok, ich könnte mein Skript natürlich anpassen und die Daten dann splitten etc... aber bislang tut es wie es soll.

Und ja, ich bin froh um dieses Backup, denn es hat mich schon ein paar mal nach "Benutzerirrtümeren" gerettet.

[Bearbeiten] Sonstige Services, die mein "Desktop" anbietet

Da mein Boss und die Hierarchen hin und wieder wissen wollen was läuft habe ich auf meinem Linux-PC einen Apache-Webserver am Laufen. Als "Tagebuch" läuft blosxom als Weblog. Zudem gibt es seit kurzem auch PHPWiki auf meiner Kiste, das nutze ich als "Brainstorming-Plattform" und um mir selbst Notizen zu machen. Da im Hause auch verstärkt nach Distributionen gefragt wird beherbergt meine Kiste die ISO-Images der neuesen Versionen von SuSE, RedHat und Fedora und stellt diese im Intranet per FTP zur Verfügung.

[Bearbeiten] Warum hier aber immer noch ein Rechner mit Windows XP steht

Zwei Gründe gibt es dafür. Einmal sind das Web-Anwendungen die leider zwingend den Internet Explorer voraussetzen. Und zum anderen verschicke ich Einladungen zu Besprechungen immer noch mit Outlook, denn ich habe die Erfahrung machen müssen, daß die Kollegen verwöhnt sind und erwarten, daß ein Termin per Mail automatisch im "Outlook-Kalender" auftaucht. Schickt man eine normale Mail mit Text, dann ist das natürlich nicht der Fall mit dem Resultat, daß bei der Besprechung etliche Leute fehlen. Meine eigenen Termine verwalte ich übrigens lieber mit meinem Palm-PDA, denn den habe ich immer mit dabei.

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