Schrittweise Migration
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[Bearbeiten] Einleitung
Die folgende Anleitung beschäftigt sich mit der schrittweisen Migration von Windows auf Linux und freie Software. In den Leitfäden werden Tipps für eine schrittweise Migration gegeben; hierzu werden vor allem alternative Programme besprochen, welche auf mehreren Betriebssystemen verfügbar sind (z.B. OpenOffice.org). Bitte lesen Sie sich zum besseren Verständnis den Abschnitt „Kleines Wörterbuch“ durch, welches Sie mit einigen wichtigen Begriffen aus der Linux-Welt bekannt macht.
[Bearbeiten] Kleines Wörterbuch
Die nachfolgenden Erklärungen sind immer um Bezug auf EDV allgemein oder speziell auf Windows, Linux bzw. den Umstieg von Windows auf Linux geschrieben.
- Account: Bezeichnet einen meist auf Benutzername/Passwort-Kombination basierten Zugang zu einem Linux-System. Jeder Benutzer, der an einem Linux-System arbeitet, sollte ein eigenes Benutzerkonto (Account) haben.
- Desktop: Allgmeiner Begriff für eine grafische Oberfläche
- Distribution: Ein Betriebssystem inkl. einem umfangreichem Softwarepaket. Üblicherweise beinhaltet eine Distribution diverse Server, Internetprogramme, Büroprogramme, Systemverwaltungswerkzeuge, etc...
- Emulation': Die Vortäuschung einer anderen Umgebung, sodass ein Programm unter einem Betriebssystem läuft, für das es eigentlich nicht geschrieben wurde.
- einhängen/mounten: Das Verfügbarmachen eines Laufwerks für das komplette System. Siehe „Die größten Unterschiede“.
- Migration: Die Umstellung von Windows nach Linux
- root: Dieser Begriff hat zwei Bedeutungen; 1. Der Systemverwalter unter Linux, vergleichbar mit dem Administrator unter Windows. 2. Der oberste Verzeichnisstamm. Mehr dazu unter „Die größten Unterschiede“.
- X-Server/X-Client: Die grafische Benutzeroberfläche unter Linux. Mehr dazu unter dem Abschnitt „Die größten Unterschiede“.
[Bearbeiten] Die größten Unterschiede
[Bearbeiten] root
root wird mit Wurzel übersetzt, im folgenden ist Stamm allerdings passender. In vielerlei Hinsicht fängt unter Linux alles bei root an.
[Bearbeiten] root als Systemverwalter
Der von Windows bekannte Benutzername „Administrator“ entspricht in groben Zügen dem „root“-Konto unter Linux. Jedoch ist es – im Gegensatz zu Windows – absolut unüblich unter dem Systemverwalter-Konto zu arbeiten. Standardmäßig arbeitet jeder, auch wenn nur ein einziges Benutzerkonto an dem PC exisitert, mit einem normalen Benutzerkonto. Dies minimiert die Gefahren durch fehlerhafte Bedienung, Viren, Trojaner, ...
[Bearbeiten] root als Verzeichnisstamm
Unter Linux wird jedes Laufwerk (Festplatten, CD/DVD, Zip-Disk, USB-Sticks, ...) in einen Verzeichnisstamm eingehängt. Der „root“ genannte Verzeichnisstamm hat hierbei, nicht wie unter Windows einen Buchstaben, sondern das Zeichen / (Slash). Unter Windows ist es durch die verschiedenen Laufwerksbuchstaben meist unmittelbar nachvollziehbar auf welchem Laufwerk man momentan arbeitet (C:, D:, E:), was jedoch für die meisten Benutzer nicht weiter interessant ist. Bei Linux merkt der Benutzer beim normalen arbeiten nicht, auf welchem Laufwerk er sich befindet, da alles in einem einheitlichen Stamm angelegt ist. Im folgenden Abschnitt finden Sie eine kurze Übersicht über die Verzeichnisstruktur unter Linux.
[Bearbeiten] Verzeichnisstruktur unter Linux
Wie schon bereits im vorherigen Abschnitt beschrieben, verwendet Linux einen einheitlichen Verzeichnisstamm. Die nachfolgende Tabelle bezeichnet die wichtigsten Verzeichnisse unter Linux und zieht, soweit möglich, ein Vergleich zu Windows. Die Beschreibungen gelten hier jeweils nur für Linux, da das Vergleichbare Verzeichnis unter Windows oft noch für andere Sachen verwendet wird.
| Linux | Windows | Beschreibung |
|---|---|---|
| / | C:, D:, E:, ... | root; Der einheitliche Verzeichnisstamm |
| /bin, /usr/bin | C:\Programme | Installierte Programme (nur Programme, keine Konfigurationsdateien, o.ä.) |
| /etc | nicht definiert | Sämtliche systemweite Konfigurationsdateien des Systems |
| /home/Benutzername oder ~/ | Eigene Dateien | Neben /tmp das einzige Verzeichnis, in welches ein Benutzer schreiben darf. |
| /sbin, /usr/sbin | C:\Programme | Programme für den Systemverwalter und (manchmal) Server |
| /tmp | Temporäre Dateien | Temporäre Dateien werden hier zwischengelagert |
Es gibt zwar noch viele weiter Pfade, diese sind für den Durchschnittsbenutzer jedoch nicht weiter von Interesse. Ein normaler Benutzer, welcher ausschließlich auf dem Desktop mit den üblichen Programmen arbeitet, bekommt von all dem sowieso nur sein /home-Verzeichnis zu sehen, ähnlich wie unter Windows, wo die meisten Leute auch nur mit den „Eigenen Dateien“ arbeiten.
[Bearbeiten] Schrittweise Migration
Das Konzept der schrittweisen Migration setzt, soweit möglich, auf bekannte Strukturen, um dem Benutzer das Neulernen der Bedienung soweit wie möglich zu ersparen. Hierzu wird schrittweise von den Standard-Windows-Programmen auf alternative Programme umgesetzt, welche sowohl unter Windows, als auch unter Linux verfügbar sind. Sollte zu einem Windows-Programm kein Linux-Pendant gefunden werden können, ist das auch auch kein Problem, die meisten Windowsprogramme lassen sich mit dem Schnittstellen-Emulator Wine auch unter Linux weiterverwenden. Die einfachste Möglichkeit, ein Programm zu finden welches auf beiden Betriebssystem läuft, ist, das bekannte Windows-Programm in die Suche bei Tuxfutter einzugeben. Tuxfutter führt zu vielen Windows-Programmen entsprechende Linux-Gegenstücke als auch Programme, welche auf beiden Betriebssysteme verfügbar sind.
So kann man z.B. anstatt ICQ den universellen Client Pidgin verwenden, anstatt Microsoft Office das freie OpenOffice.org. Der MS Internet Explorer und Outlook Express lassen sich hervorragend mit den freien Programmen Firefox (Browser) und Thunderbird (E-Mail/News) ersetzen. Im folgenden wird beschrieben, wie man von den genannten Standard-Programmen auf die alternativen Varianten wechselt, ohne die Daten neu anlegen oder auf Bedienkomfort verzichten zu müssen.
[Bearbeiten] Umstellung von MS Office auf OpenOffice.org
Das kostenplichtige Microsoft Office ist für viele Anwender sehr wichtig, gilt es doch als Standard-Büroanwendung unter Windows. Seine Dateien mit anderen Leuten austauschen zu können und sich nicht wieder in eine neue Bürosoftware einarbeiten zu müssen sind wohl mit die wichtigsten Punkte, die bei der Umstellung beachtet werden sollten.
Dem stellt sich das kostenfreie OpenOffice mit sehr überzeugenden Argumenten entgegen. Es war nie Ziel von OpenOffice das Microsoft-Produkt zu imitieren oder nachzubauen, weshalb sich die Oberfläche geringfügig von der MS-Office-Oberfläche unterscheidet, sie ermöglicht allerdings ebenfalls ein komfortables und vor allen sehr schnelles Arbeiten. Der Import von bestehenden MS-Office-Dokumenten als auch das Abspeichern in diesem Format (z.B. für Leute mit MS Office) ist ohne Probleme möglich. Des Weiteren verfügt OpenOffice über einen integrierten PDF-Export um sogar Leuten ohne irgendein Office-Paket das (lesende) Öffnen von Office-Dokumenten zu ermöglichen.
OpenOffice.org kann kostenfrei von de.openoffice.org runtergeladen werden und benötigt keine Angabe von persönlichen oder sonstigen Daten. Momentan beträgt die Download-Größe 67 MiB (etwa 9 Minuten über T-DSL 1000).
Für Einsteiger: Sie finden unter de.openoffice.org/doc/howto_2_0/writer sehr einfach gehaltene Anleitungen für Leute ohne jegliche Office-Erfahrung.
Für Interessierte: Unter de.openoffice.org/doc/howto_2_0 finden Sie sehr umfangreiche, mehrteilige elektronische Benutzerhandbücher für Writer (Textverarbeitung) und Calc (Tabellenkalkulation).
[Bearbeiten] Umstellung von Internet Explorer auf Firefox
Der alternative, freie Browser Firefox bietet einen hervorragenden Bedienkomfort bei einer sehr guten Geschwindigkeit. Nach der Installation von Firefox erkennt dieser vorhandene Favoriten/Bookmarks des Internet Explorers und übernimmt diese auf Wunsch auch gleich. Die aktuelle, deutsche Version ist unter mozilla-europe.org/firefox zu bekommen. Die Download-Größe beträgt momentan 5 MiB (weniger als eine Minute über T-DSL 1000).
[Bearbeiten] Umstellung von Outlook Express auf Thunderbird
Genauso wie Firefox ist auch Thunderbird frei, kostenlos und in deutscher Sprache verfügbar. Es erkennt nach der Installation vorhandene E-Mail Konten in Outlook Express, Eudora und Netscape und übernimmt diese auf Wunsch völlig automatisch. Sie können sofort mit dem Programm arbeiten, ohne es erneut einrichten zu müssen. Die aktuelle, deutsche Version ist unter mozilla-europe.org/thunderbird zu bekommen. Die Download-Größe beträgt momentan 6.2 MiB (weniger als eine Minute über T-DSL 1000).
[Bearbeiten] Umstellung von ICQ auf Pidgin
Diese Migration stellt die wohl einfachste dar. Durch die Tatsache, dass ICQ die Kontakte in den gängigen Version server-seitig speichert, kann jeder beliebige ICQ-Client eingesetzt werden. Bei Pidgin (ehemals gaim) funktioniert es tatsächlich so einfach, wie es sich anhört: Nach dem Installieren von Pidgin fragt es die ICQ-Nummer sowie das Passwort ab und importiert sämtliche Kontakte direkt vom ICQ-Server und ist sofort einsatzbereit. Die aktuelle Version vom Pidgin ist unter pidgin.im/download zu finden, das Herunterladen dauert bei der aktuellen Dateigröße von 11,6 MiB bei einer T-DSL-1000-Verbindung um eineinhalb Minuten.
[Bearbeiten] Umstellung von Windows auf Linux
Nachdem man die Standard-Windows-Programme schrittweise durch solche ersetzt hat, die auf beiden Betriebssystemen laufen, ist die Migration von Windows auf Linux kein so großer Schrecken mehr. Es gilt jetzt nur noch die für sich passenden Linux-Distribution zu finden und diese zu installieren. Erfahrungsgemäß sollte man bei für ein Produktiv-System auf eine einfache, betont grafiklastige Distribution setzen, die einem viel Arbeit bei der Einrichtung abnimmt. Empfehlenswerte, relativ einfache Distributionen sind u.a. SuSE-Linux, Fedora und Mandrake Linux.

