Spam (Usenet)
Aus Tuxfutter
Dieser Artikel befasst sich mit der ursprünglichen (ältesten) Definition von Spam in elektronischen Medien. Zu unerwünschten Massen-E-Mails siehe Unsolicited Bulk Email (UBE), zu unerwünschten Werbe-E-Mails siehe Spam (E-Mail) (korrekter: Unsolicited Commercial Email, kurz UCE).
Spam bezeichnet exzessiv häufig wiederholte Artikel in den Newsgroups des Usenet, die substanziell gleich sind oder für dieselbe Dienstleistung werben. Die Grenze zum Spam wird überschritten, wenn der Breidbart-Index größer wird als erlaubt. Diesen Missbrauch des Usenet bezeichnet man als Spamming und die Täter als Spammer.
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[Bearbeiten] Historisches
Der Begriff entstammt einem Sketch der englischen Comedyserie Monty Python's Flying Circus: In einem Restaurant besteht die Speisekarte ausschließlich aus Gerichten, die Spam enthalten (SPAM ist ein Markenname für Dosenfleisch, 1936 entstanden aus spiced ham, fälschl. auch spiced pork and meat/ham). Ein Kunde fragt nach einem Gericht ohne Spam, woraufhin die Kellnerin immer wieder die Karte mit den Spam-Gerichten vorliest, ein Wikinger-Chor fällt mit einem Loblied auf Spam ein, bis das Spam-Gekreische jede Unterhaltung erstickt. Spam ist heute ein Markenname (eingetragenes Warenzeichen) für derartiges Dosenfleisch.
Mitte der 1990er Jahre, als noch die wenigsten Menschen und Unternehmen eine E-Mail-Adresse hatten und schon allein von daher ein Netzmissbrauch mit Massen-E-Mails noch gar nicht möglich war, fand das Wort Spam seinen Weg ins Usenet um zu bezeichnen, dass einzelne Täter ihre Werbung gleichlautend in tausende von Newsgroups posteten, ohne sich um die thematische Zweckentfremdung zu scheren und ohne sich für die nachfolgenden Diskussionen zu interessieren. Der allererste Spam, der lückenlos eine Newsgroup nach der anderen verunreinigte, war 1994 eine in extrem viele Newsgroups gespamte Werbekampagne des Rechtsanwaltsbüros Canter & Siegel (USA), worin damit geworben wurde, bei der Teilnahme an der Verlosung von Greencards behilflich zu sein. Im Zuge dieses Spams fassten die ersten Benutzer den Mut, ihn zu canceln, also im Endeffekt wieder zu beseitigen, obwohl es technisch gesehen verboten ist, anderer Leute Beiträge zu canceln. Später ergab eine Umfrage (Strawpoll) im Usenet, dass ca. 90 % aller Benutzerinnen und Benutzer das Canceln von Spam begrüßen. Während die Flut an Spam-Artikeln vor allem in den sexuellen Diskussions-Newsgroups alt.sex.* und in den erotischen Bilder-Newsgroups alt.binaries.pictures.erotica.* eskalierte und gewaltige Ausmaße annahm, bis zu über eine Million Spam-Artikel pro Tag, entwickelte sich eine Truppe freiwilliger Aktivisten, die mit immer ausgefeilteren und effizienteren Programmen (sog. Cancelbots) den Spam wieder cancelten. In die Geschichte des Usenet eingegangen sind beispielsweise die Spam-Canceller Robert Braver, Lysander Spooner (Pseudonym), Cosmo Roadkill (Pseudonym), Chris Lewis und Andrew Gierth. Letzterer veröffentlichte in der Newsgroup news.admin.net-abuse.announce täglich quasi als Siegertreppchen eine Rangordnung derjenigen, die am Vortag den meisten Spam gecancelt hatten, wobei die ersten in dieser Liste eine Größenordnung von zigtausend erreichten. Diese Aktivisten sprachen sich untereinander mit einer Mailing-Liste ab und führten auch einmal einen Streik durch, um zu verdeutlichen, wie das Usenet ohne ihre freiwillige Arbeit aussehen würde.
[Bearbeiten] Verallgemeinerung des Begriffs
Inzwischen meinen viele, die das Usenet gar nicht kennen, etwas ganz anderes, wenn sie das Wort Spam gebrauchen:
- UBE (unsolicited bulk e-mail), das massenhafte Zumüllen vieler elektronischer Briefkästen (E-Mail-Accounts) mit unbestellten, unerwünschten E-Mails, womit die Empfänger genötigt werden, viel Zeit für das Aufräumen aufzuwenden,
- UCE (unsolicited commercial e-mail) als diejenige Variante von UBE, die Werbung beinhaltet
- Daneben gibt es noch das so genannte Suchmaschinen- oder Index-Spamming, bei dem der Verursacher die Ergebnisse, die eine Internet-Suchmaschine auf eine Stichworteingabe hin ausgibt, mit speziellen Tricks derart manipuliert, dass auf den vordersten Plätzen Webseiten angezeigt werden, die keine für den Surfer relevanten Informationen enthalten.
- das Handy betreffend: einerseits durch verstärkten Einsatz von Mobile Marketing zur Marktforschung, andererseits durch unerwünschte SMS, die in Japan schon bis zu 90% aller unerwünschten elektronischen Nachrichten ausmachen.
- Vergleichbarer Missbrauch anderer elektronischer Kommunikationsmedien: So gibt es spezialisierte Programme für fast jeden über das Internet öffentlich zugänglichen Kommunikationskanal: vom Chat wie IRC und ICQ, über den Windows Messenger "Spim" bis hin zu den Logfiles von Webservern, die mit gefälschten Referrer-Daten gefüttert werden.
Diese Entfremdung des Begriffs suggeriert irrtümlich, es sei auch in anderen Medien technisch möglich, dass wie im Usenet einige wenige freiwillige Aktivisten zum Wohle aller den Schaden ungeschehen machen.
[Bearbeiten] Beseitigung, Bekämpfung und Vermeidung von Spam
- providerseitige Maßnahmen setzen sich bei Freemailern und Unternehmensmailservern immer mehr durch. Dabei werden die als SPAM erkannten eMails markiert und in besondere Ordner einsortiert. Dies hilft die Übersicht über den Posteingag zu behalten und eventuell auf falsch einsortiere eMails (false positives) immer noch im Zugriff zu haben. Der momentan am häufigsten benutze serverseitige Filter ist das Apache Project Spamassassin.
- Das unmittelbarste und wirksamste Instrument ist das Canceln. Damit veranlasst man alle entsprechend konfigurierten Newsserver, den Spam zu löschen. Diese Maßnahme greift um so erfolgreicher, je schneller sie auf Spam reagiert, weil sie nur denjenigen zugute kommt, die den Spam noch nicht mit dem Newsreader vom Newsserver heruntergeladen haben. Das Canceln von Spam erfordert die sorgfältige Einhaltung vielfältiger Regeln, man kann dabei sehr viel falsch machen.
- Beschwerden an die Newsprovider der Spammer können bewirken, dass diesen die Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Newsserver entzogen wird.
- Sehr selten werden Newsprovider, die auf Beschwerden nicht reagieren, mit einem UDP (usenet death penalty) belegt, welches in zwei Formen geschehen kann:
- Passives UDP: Die Administratoren der wichtigsten Newsserver einigen sich darauf, dass alle Usenet-Artikel, die über die Newsserver des "schwarzen Schafes" gelaufen sind, nicht weitergeleitet werden und damit verschwinden.
- Aktives UDP: Die Spam-Canceller verständigen sich darauf, alle Artikel, die von den Newsservern des "schwarzen Schafes" aus ins Usenet gelangt sind, zu canceln, so als seien sie Spam.
- Newsgroups, die "sex" in ihrem Namen tragen, lassen sich umbenennen. Dies ist sehr erfolgreich mit der ehemaligen Newsgroup de.talk.sex geschehen, die heute de.talk.liebesakt heißt und damit weitestgehend kaum noch Spam anlockt.
- NoCeM als Alternative zum Canceln: Während das Canceln erfordert, jedem einzelnen Spam-Artikel eine eigene Cancel-Message hinterherzuschicken kommt dieses Verfahren mit Steuernachrichten aus, die gleich ganze Listen von Spam-Artikeln enthalten. Diese NoCeM-Steuernachrichten werden allerdings nur von speziellen Clients verstanden, die nicht besonders weit verbreitet sind, und sind im Gegensatz zu Cancel-Messages nicht imstande zu vereiteln, dass als Folge von Spam Diskussionen über den Spam, die zum Thema der jeweiligen Newsgroup gar nicht passen, die Newsgroup unleserlich machen.
- Moderierte Newsgroups: Die Beiträge gelangen nicht unkontrolliert ins Usenet, sondern werden von einem Moderator abgefertigt, der Spam abfangen kann. Es gelingt nicht immer, einen Freiwilligen für dieses Amt zu finden. Die ehemals sehr erfolgreiche Stellenanzeigen-Newsgroup misc.jobs.offered musste aus diesem Grund abgeschafft werden.
- Serverseitige Maßnahmen: Newsserver-Software lässt sich mit Add-Ons ergänzen, die Spam erkennen und zurückweisen.
- Clientseitige Maßnahmen: Die meisten Newsreader verfügen über ein sog. Killfile, das steuert, was man zu sehen bekommt. Der bayessche Filter sortiert erwünschte und unerwünschte Emails, nach einem Training durch den Benutzer des Emailclienten.
- Wegwerf Email Adressen: Bei der Benützung von Wegwerf Email Adressen gibt der Benutzer anstelle seiner eigenen Adresse eine temporäre, gültige Email Adresse an. Der Benutzer hält seine eigentliche Adresse somit anonym und verhindert dass sein Email Konto mit Spam zugedeckt wird. Einen freien Wegwerf-Email Service findet man unter myTrashMail.com.
[Bearbeiten] Abgrenzung der Definition
Spam erscheint nicht immer in Form von absolut identischen Artikeln. Dass Artikel substantiell gleich sind, die sich nur durch Zeilenumbruch oder Layout unterscheiden oder durch Buchstabenmüll, der Cancelbots verwirren soll, ist unbestritten. Kritisch wird es, wenn das Kriterium "advertising the same service" herangezogen wird. Wenn die Artikel außer der Werbung nichts weiter enthalten, besteht der breiteste Konsens darüber, dass sie Spam sind, wenn die Werbung kommerziell ist. Gegenbeispiel: Eine gewerkschaftsnahe, politisch einseitig orientierte Organisation betrieb einmal eine Webseite mit aktuellen Nachrichten und warb dafür in rascher Folge im Usenet mit Artikeln, die auch den jeweils neuen Inhalt der Nachrichten enthielten. Obwohl es "advertising the same service" mit einem unzulässigen Breidbart-Index war, stieß das Canceln auf breiten Protest. Ein relativ effizientes, weil maschinenlesbares Kriterium ist die Nennung immer wieder derselben Webseite. Werbung ohne Nennung einer Webseite ist in elektronischen Medien nämlich äußerst ungewöhnlich. Dabei spielt es eine besondere Rolle, dass Signaturen, die immer wieder dieselbe Webseite nennen, nicht als Spam gelten, es sei denn, diese Ausnahmeregelung wird böswillig missbraucht, indem der Spam unterhalb eines Signaturabtenners steht und die Artikel darüber nichts sinnvolles enthalten. Klärungsbedarf besteht auch hinsichtlich der Frage, ob Artikel, die bereits verschwunden sind, mitgezählt werden dürfen, wenn es um die Frage geht, ob eine Folge gleicher Artikel Spam sind. Dies ist zu verneinen, schon allein weil viele FAQs, die regelmäßig erneut gepostet werden, sonst Spam darstellen würden.
Eine noch eingeschränktere Definition war in den Anfängen teilweise gebräuchlich. Manche bezeichneten als Spam nur EMP (excessive multiple posting), also viele Exemplare in je einer Newsgroup, und unterschieden dies von einer sog. Velveeta, auch ECP (excessive crossposting) genannt, d.h. ein Exemplar in vielen Newsgroups. Weil Spam oft als Mischform von beidem vorliegt und weil eine reine Velveeta nach dem netzweit gültigen Breidbart-Index-Limit (20) in vierhundert (!) Newsgroups gecrosspostet sein müsste (was technisch gar nicht geht), konnte sich diese Abgrenzung nicht durchsetzen, und der Begriff Velveeta ist in Vergessenheit geraten.
[Bearbeiten] Weblinks
- Current Spam thresholds and guidelines von Tim Skirvin.
- Mehrheitsentscheid (Abstimmungsergebnis) über das Canceln von Spam in de.*
- Beispiel für einen Dauer-Spam, mit Google sichtbar gemacht
- Alles über NoCeM
- Beispiele für Spamcancelberichte, die gleichzeitig als NoCeM wirken
- Apache Project - Spamassassin

